Neue Prozessionsfahne der Fischerzunft Rust wurde gesegnet

Seit heute, dem „Kilwisonntag“, hat die Fischerzunft Rust offiziell eine neue Prozessions-Fahne, die bei allen Prozessionen in Rust voran getragen wird. Im Kilwi-Gottesdienst segnete Pfarrer i.R. Bernhard Kleiser die Fahne. Sie ersetzt die bisherige Petrus-Fahne, die weit über 100 Jahre alt ist. Der Zahn der Zeit hatte an der Fahne genagt: Im Laufe der Jahre war das Motiv nicht mehr gut sichtbar.
 

Zunftmeister Stefan Sigg, Zunftrechner Alexander Koch und Beisitzer Sven Sigg trugen die neue Fahne stolz in den Altarraum der Pfarrkirche Petri Ketten. Dort hatte schon Bernhard Kleiser die Gottesdienstbesucher informiert und betonte, dass durch die kirchliche Segnung die Fahne keine Wunder vollbringen könne. Vielmehr gelte der Segen den Menschen, die diese Fahne tragen würden.
Das Tragen der Fischer-oder Petrusfahne bei den Prozessionen ist eine besondere Ehre für die Mitglieder der Fischerzunft. Gleichzeitig ist es aber auch ein Pflicht: Wer in die Fischerzunft aufgenommen werden will, der muss ein Jahr lang das Amt des Zunftboten ausüben und in dieser Zeit auch als Fahnenträger fungieren.
Die neue Fahne hat sich die Fischerzunft mehrere Tausend Euro kosten lassen und ist eine farbenprächtige Kopie des alten Exemplars: Ein farbiges Bild zeigt auf grünem Grund den reichen Fischzug am See Genezareth, der im Lukas-Evangelium beschrieben ist. Hier beruft Jesus auch seine Jünger sagt zu Petrus: „Hab keine Angst! Von jetzt an wirst du ein Menschenfischer sein!“ Neben dem Motiv ist noch die Aufschrift „Fischerzunft Rust 1583“ zu lesen. Hergestellt wurde die Fahne in Bayern.
„Kilwisonntag“ ist ein wichtiger Tag für die Ruster Zunft. Der Kirchweihtag zeigt auch schon die frühe Verbindung zwischen Kirche und Zunft, weil Petrus nicht nur Patron der Ruster Kirche, sondern zugleich auch Schutzpatron der Fischer ist. Am Sonntagnachmittag findet die Zunftversammlung statt, am „Kilwimontag“ gedenken die Mitglieder in einem Gottesdienst den verstorbenen Mitglieder der Zunft.
Geschichte der Fischerzunft: Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts war die Gemeinde Rust ein Fischer- und Bauerndorf. Bauer und Fischer prägten das Dorf und seine Geschichte wesentlich mit. Symbolisch sind beide Berufsgruppen im Ruster Ortswappen mit Fisch und Pflugschar vertreten. Der Zunftmeister der Fischer war in frühereren Zeiten nach dem Bürgermeister der zweitwichtigste Mann im Ort. Die Fischerzunft ist die älteste nachweisbare Vereinigung in Rust. Das belegen viele Urkunden sowie die Jahreszahl 1583 im Zunftschild und in der hölzernen Zunftlade. Die Fischer haben die Zunft gegründet, um sich die Fischrechte in Rust und Umgebung zu sichern. Im Lauf der Jahrhunderte mussten diese immer wieder gegenüber der Obrigkeit, Behörden und benachbarten Fischerzünften, insbesondere Kappel, verteidigt und behauptet werden. Bis heute sind die Ruster Fischer in allen Fließgewässern auf Gemarkung Rust und Kappel zur Fischerei berechtigt. Die Fische, wie Aale, Barsche,Hechte und Weißfische werden mit Reusen und Stellnetzen gefangen. Die Lachsfischerei, die bis etwa 1940 eine wichtige Rolle spielte, verschwand mit der Verbauung des Rheines mit Staustufen, Wehre, Schleusen- und Hafenanlagen. Nur die Söhne eines Mitgliedes mit dem Namen Gruninger, Hauser, Koch, Obert, Schwarz oder Sigg werden im Alter von 21 Jahren in die Zunft aufgenommen, wenn sie dies persönlich während der Zunftversammlung beantragen. Durch diese Regelung bleibt das Fischrecht im Besitz weniger Familien.