60 Jahre Hanfrözi Rust: Woher stammt der Name der Zunft?

Hanfrözi Rust
Heute erinnert nur noch der Name, der 1954 im Gasthaus Rebstock gegründeten Narrenzunft „Hanfrözi“ an eine fast vergessene Nutzpflanze in Rust. Die Figur des „Rözi-Hansele“ ist angelehnt an eine Sagengestalt, die einst auf den Ruster Hanfrötzen ihr Unwesen getrieben haben soll. In den Anfängen der Zunft gab es männliche und weibliche Häs, die beide aber noch keine Maske trugen. Ursprünglich war der Narrenvogt noch ein Prinz, der Narrenrat ein Elferrat und der Brauchtumsabend ein Prunkabend – allesamt Anlehnungen an den rheinischen Karnveal. Dazu gab es auch eine Ruster Tabakkönigin, die 1969 zum letzten Mal im Gasthaus Löwen gewählt wurde.

Anfang: Ein Rözihansele
Anfang: Ein Rözihansele

Historiker Karl-Heinz Debacher beschriebt den Hanfanbau und die weitere Verarbeitung: Der Hanf hatte bis in die Mitte des letzten Jahrhunderts eine große Bedeutung für Rust und seine Umgebung als Textilfaser. Die Aussaat erfolgte in der Regel im Mai, die Reifezeit war die zweite Augusthälfte. Die Ernte der bis zu dreieinhalb Meter hohen Stängel erfolgte durch herausziehen, „liechen“ der Pflanzen. Die zusammengebundenen Hanfbündel wurden „Schauben“ genannt.
Um nun die Faser aus ihrer Verbindung mit dem Holz und der Rinde zu lösen, leitete man einen Fäulnisprozess, die sogenannte „Rötze“ ein. Dazu legte man die Schauben in künstlich angelegte Teiche oder gestaute Wasserläufe mit geringer Fließgeschwindigkeit, bedeckte sie mit Holzbohlen und beschwerte das Ganze mit so genannten Rötzsteinen, bis der Hanf völlig untergetaucht war. Ließ sich nach etwa einer Woche die obere Grünschicht von den Stängeln abstreifen, wurde der Hanf zum Trocknen auf die Felder gelegt, die Stängel gebrochen und mit einem Däumling die groben Fasern „abgeschlenzt“.
Beim nächsten Arbeitsgang musste die Faser von allen unbrauchbaren Stängelteilen befreit werden. Dies geschah zuerst mit der „Hanfbreche“, die nur zwei Längshölzer hatte und dann mit der „Knitsche“ mit drei Längshölzern. Nun wurde der Brechhanf gehechelt. Die Hechel war ein Brett, in das Nägel eingeschlagen waren und ca. 10-15 cm herausstanden. Durch dieses Kämmen wurden die restlichen Holzteile entfernt. Das fertig gehechelte Faserbündel hieß „Riste“.
Der Brechhanf kam nun in die Plauel oder die Reibe. Bei der Hanfplauel setzte ein Wasserrad eine starke Zapfwelle in Bewegung, deren Holzzapfen starke Eichenbalken hoben und fallen ließen. Dabei säuberten sich die Fasern, sie wurden weicher und feiner. Bei der Hanfreibe trieb das Wasser einen schweren glockenförmigen Stein an, der rundum lief. Auf seinem Bett wurde der Hanf ausgelegt und der Stein lief über das Bündel, bis auch die letzten Nebenstoffe vom Gespinst beseitigt waren. Nach dem Plaueln und Reiben wurde der Hanf nochmals durch die Feinhechel gezogen, um die Fasern zu ordnen.

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