Abwasserleitung zum geplanten Wasserpark: Ruster Geschichte trifft auf Ruster Zukunft

Die Verlegung der Abwasserleitungen des geplantes Wasserparks des Europa-Park laufen auf Hochtouren und an einer ganz bestimmten Stelle kommt es zu einer interessanten Begegnung: in der Grafenhausener Straße, ziemlich genau zwischen dem Ort und den Eichholz-Aussiedlerhöfen. An der alten Backsteinhütte treffen sich die Ruster Zukunft und die Vergangenheit in der Gegenwart.

Ruster Geschichte trifft Ruster Zukunft: Ganz nah an der alren Backsteinmacherhütte (rechts im Bild) wird die neue Abwasserleitung für den geplanten Wasserpark verlegt.
Ruster Geschichte trifft Ruster Zukunft: Ganz nah an der alren Backsteinmacherhütte (rechts im Bild) wird die neue Abwasserleitung für den geplanten Wasserpark verlegt.

Die älteren Semester in Rust kennen die Bedeutung des alten Schuppens aus Holz, der ein wenig vertieft und ganz verwittert in der Landschaft steht. Es ist eine der Backsteinhütten, in der früher Backsteine für den Hausbau hergestellt wurden. Karl-Heinz Debacher, ausgewiesener Ortshistoriker, hat die Geschichte der Backsteinmacherei in Rust recherchiert. Im Jahr 1858 hatte der Ruster Matern Sauter eine zündende Geschäftsidee, er begann mit der Herstellung von Backsteinen. In der Gemarkung seiner Heimatgemeinde fand er hierzu günstige Bodenvoraussetzungen: der kalkarme Lehm und Sand, der in den meisten Fällen direkt unter der Oberfläche lag, war ein bestens geeignetes Material dazu. Als sich das Geschäft von Sauter entwickelte, folgten andere Ruster seinem Beispiel. Die Ruster Backsteine fanden in den Nachbargemeinde ihre Interessenten und waren besonders in den Orten am Kaiserstuhl beliebt. Sogar im Elsass, zwischen Erstein und Schlettstadt, wurde mit den Ruster Backsteinen kräftig gebaut. Die Backsteinmacher von Rust ernteten aber keine Millionen mit ihrem beschwerlichen Tagwerk. Zumindest ein Haus konnten sie sich mit dem Erlös und ihren eigenen Backsteinen bauen. Als die eine maschinelle und modernere Produktionsmethode den Markt revolutionierte, gelang den Ruster Backsteinmachern diese Umstellung nicht. Die Betriebe gaben nach und nach auf, das einst erfolgreiche Gewerbe in Rust kam mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges völlig zum Stillstand und verschwand ganz aus dem Wirtschaftsleben der Gemeinde. Nur wer offenen Auges durch die Gemarkung spaziert, dem fallen im Unterfeld und in anderen Gewannen Grundstücke auf, die unter dem normalen Niveau liegen. Hier wurde der Lehm und der Sand abgetragen, die zur Herstellung der Ruster Backsteine benötigt wurden.
Übrig geblieben ist die alte Backsteinhütte im „Grofehüsemer Stressli“, die noch letzter Zeitzeuge ist und bei der ganz nahe nun die Abwasserleitung des geplanten Wasserparks vorbeiführt.