Gekreische der Kettensäge & Weihnachtslieder am Baum: Bunte Mischung auf dem Ruster Thomasmarkt

Die Besucher flanierten zwischen den kleinen Häuschen, holten sich letzte Geschenkideen für das Fest oder tranken einen Glühwein bei gar nicht winterlichen Temperaturen: am Donnerstag fand der traditionelle Thomasmarkt in der Hindenburgstraße in Rust statt. Vieles war in diesem Jahr neu: Zum einen der Termin, normalerweise findet der Markt am Todestag des heiligen Thomas am 21. Dezember statt. Wegen der Nähe zu Weihnachten legte man ihn kurzerhand auf den 17. Dezember. Kräftig investiert hat die Gemeinde in diesem Jahr in die „Hardware“ der Veranstaltung: Schmucke Verkaufshäuschen aus Holz wurden zum Markt angeschafft, die gegen eine Gebühr an die Marktbeschicker vermietet wurden.

Die Häuschen bildeten das Rund um den Dorfbrunnen, wo auch die Veranstaltungsbühne stand. Im weiteren Verlauf der Hindenburgstraße hatten die „fliegenden Händler“ ihre Zelte aufgeschlagen.
Über die Investitionen in die „Software“ des Thomasmarkts gingen die Meinungen bei den Besuchern auseinander. Das Trio „Alp & Horn“ hatte weihnachtliche Klänge auf den verschiedensten Instrumenten im Gepäck, bevor der Nikolaus erschien und die Kinder bescherte. Karl Blattmann, TV-bekannter Motorsägenkünstler aus Weisweil, schnitzte mit seinen beiden Motorsägen aus einem Holzstamm eine Eule, die von Bürgermeister Kai-Achim Klare für 100 Euro versteigert wurde. Wie sich allerdings das ohrenbetäubende Kreischen und Jaulen der Kettensägen mit der Gemütlich- und Besinnlichkeit eines Weihnachtsmarktes verbinden lässt, das müssen sich die Programmverantwortlichen schon fragen lassen, ohne dabei die Leistung des Künstlers schmälern zu wollen: Kinder am Rande der Szenerie hielten sich schmerzvoll die Ohren zu.
Nach der lautstarken Demonstration wurde es wieder besinnlicher: Musikkapelle und Männergesangverein intonierten zur traditionellen Verlosung des Gewerbeverbunds Advents- und Weihnachtslieder zum Mitsingen. Lea Metzger durfte die Gewinne aus den über 4000 Losen in der Betonmaschine ziehen, die von Bürgermeister Kai-Achim Klare verkündet wurden. Glücksfee Lea bewies ein sicheres Händchen, alle Hauptpreise blieben in Rust: Der Einkaufsgutschein von 400 Euro ging an Helene Metzger, der Handwerkergutschein in Höhe von 250 Euro gewann Doris Hug und über den Restaurantgutschein von 150 Euro kann sich Kjell Faller freuen. Nach der Verlosung wurden die Graffiti-Kunstwerke vom Kilwisonntag versteigert, hier erwies sich der Bürgermeister als guter Auktionator. Künstler David Rich und sein Kollege erklärten auf der Bühne ihre Werke und um manches Gemälde entwickelten sich richtige Preiskämpfe.
Danach sorgten Patrick Lehmann mit Verstärkung seines Musikerkollegen Dominik Büchele aus dem benachbarten Kappel mit mehr rockigen Rhythmen als adventlichen Weisen für den musikalischen Ausklang des Marktes. Dazwischen gab es einen rührenden Live-Hochzeitsantrag auf offener Bühne. Da hatten die „fliegenden Händler“ aber schon ihre Zelte abgeschlagen und waren gar nicht so richtig zufrieden mit dem wirtschaftlichen Erfolg. Patrick Lehmann oblag das Schlusswort des Marktes: „Lasst das Auto stehen, wenn ihr zu viel gesoffen habt!“

Nebenbei bemerkt: Die Anbieter von Speisen auf dem Markt bekamen eine Unterweisung durch den Wirtschaftskontrolldienst (WKD), der zu einem nachmittäglichen Besuch auf dem Markt auftauchte und die hygienischen Vorschriften überprüfte und auch diverse Mängel feststellte.

Bernhard Rein

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