Kostenlos eine Woche in Ruster Ferienwohnung

Erholung in Rust
Die Familie B. aus Bad Segeberg (links) mit der neunjährigen Lena war eine Woche kostenlos in Rust zu Gast. Umringt werden sie auf dem Foto von der Familie Link/Höldin. Rechts Leo Link, der die Familie eingeladen hat.

„Ich will wieder einmal in den Europa-Park und nach Rust kommen“, sagt die neunjährige Lena aus Bad Segeberg, ihre Augen blitzen fröhlich unter den Haaren ihres Pony hervor, das sie beim anschließenden Foto schnell aus ihrem Gesicht streicht. Lena trägt einen Kompressionsanzug, der die verbrannten Hautpartien auf der Brust, an den Armen und Händen verdecken. Diese zweite Haut soll das Narbengewebe auf ihrer Haut flach halten. Eine Woche lang war sie mit ihren Eltern Gisela und Ralf sowie mit ihrer Schwester Hanna in Rust in Urlaub – kostenlos. Eingeladen wurde sie von Elvira Höldin, deren Vater Leo Link hatte von dem Unfall des Mädchens in der Lokalzeitung gelesen und die gute Tat vermittelt.
Heiligabend 2011 in der katholischen Kirche St. Johannes der Täufer in Bad-Segeberg: Nach der Christmette mit Krippenspiel wird das „Licht von Bethlehem“ verteilt. Beim Krippenspiel hat auch die damalige siebenjährige Lena als Lämmchen mitgewirkt. Ob es ein umgefallenes Teelicht oder ein Luftzug daran schuld war, weiß niemand so richtig: Lenas Kostüm aus Watte fängt schlagartig Feuer, das Kind rennt brennend wie eine Fackel in seiner Not durch die Kirche. Ein Gottesdienstbesucher fasst sich ein Herz und wirft sich mit einer Jacke über das Kind und erstickt die Flammen. Lena wird mit lebensgefährlichen Verletzungen in das Krankenhaus eingeliefert, die Ärzte kämpfen um das Leben des Kindes und versetzen es in ein künstliches Koma.
Leo Link hat am 27. Dezember 2011 diese Nachricht in der Badischen Zeitung gelesen. Sie trifft den pensionierten Hausmeister der Ruster Schule mitten ins Herz. Als ein paar Tage später fest steht, dass Lena überleben wird, will Leo Link helfen. Er bespricht mit seiner Tochter, dass er die Familie kostenlos in ihre Ferienwohnung und nach Rust einladen will. Link macht sich auf die Suche nach der Adresse der Familie. Vom Pfarrer der Gemeinde wird er an den Rechtsnwalt der Familie B. verwiesen, dieser lässt sich von der Beharrlichkeit des Rusters breit schlagen und stellt den Kontakt her. „Wir wollten zuerst das Angebot nicht annehmen“, sagen die Eltern. Leo Link blieb aber am Ball. An ihrem letzten Tag in Rust stellen sie aber einstimmig fest, dass es wohl ein Fehler gewesen wäre die Einladung nicht anzunehmen.
Zusammen mit ihren Töchtern erleben sie erlebnisreiche und schöne Tage in der Rheingemeinde und im Europa-Park. Leo Link holt sich auch Mitstreiter ins Boot: Bürgermeister Günter Gorecky und Marianne Mack spenden zwei Tage Europa-Park für die ganze Familie. Die Familie B. zeigt sich sehr dankbar über die noblen Gesten und fühlt sich „in der Toskana Deutschlands“ sichtlich wohl. Leo Link macht auch den Fremdenführer und so besucht Lena mit ihrer Familie Strasbourg, Freiburg, das Höllental oder die Wasserfälle in Triberg.
Das Highligt war für Lena und ihre 16-jährige Schwester aber der Europa-Park. „Lena hat Dinge gemacht, die wir ihr gar nicht zugetraut haben“, erzählt Mama Gisela und Lena sagt stolz, dass sie sogar die Wasserachterbahn „Atlantica“ gefahren ist.  Wasser spielt auch im nächsten Schritt im Leben von Lena eine große Rolle: Eine spezielle Wasserkur in der Gegend von Paris steht jetzt für sie an.

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