Verdienste um die Heimatpflege: Ehrennadel des Arbeitskreises Alemannische Heimat für Dr. Karl-Heinz Debacher

Unter den am Donnerstag vergangener Woche in der Kulturhalle von Breitnau im Schwarzwald ausgezeichneten Persönlichkeiten, die sich auf unterschiedlichen Gebieten um die Heimatpflege Verdienste erworben haben, war auch Dr. Karl-Heinz Debacher aus Rust, der sich seit seinem Studium an der Pädagogischen Hochschule Freiburg mit der Geschichte seiner Heimatgemeinde beschäftigt.

von rechts: Dr. Karl-Heinz Debacher, Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer und Bürgermeister a.D. Erich Birkle, dem Vorsitzenden des Arbeitskreises. FOTO: BONI
von rechts: Dr. Karl-Heinz Debacher, Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer und Bürgermeister a.D. Erich Birkle, Vorsitzender FOTO: BONI

Alljährlich wählt der Arbeitskreis Alemannische Heimat e.V. aus den vorgeschlagenen Persönlichkeiten aus dem Regierungsbezirk Freiburg einige wenige Damen und Herren aus, um sie für herausragende ehrenamtliche Verdienste und Leistungen in der Heimatpflege mit der Ehrennadel des Arbeitskreises auszuzeichnen. Die Ehrung der von der Jury ausgewählten drei Damen und drei Herren von Konstanz über Breitnau, Denzlingen, Teningen, Rust bis Offenburg nahm Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer zusammen mit Bürgermeister a.D. Erich Birkle, dem Vorsitzenden des Arbeitskreises, vor.
In der ausführlichen Laudation zählte der Vorsitzende die Gründe für die Verleihung der Ehrennadel an Dr. Karl-Heinz Debacher auf, der sich neben seiner Tätigkeit als Rektor der Grund- und Werkrealschule in Rust/Kappel-Grafenhausen politisch als Gemeinde- und Kreisrat engagiert und sich darüber hinaus der Erforschung und Darstellung der Geschichte seines Heimatortes widmet.
Seine Doktorarbeit schrieb er über das Entstehen der Historischen Vereine am Oberrhein im 19. Jahrhundert unter besonderer Berücksichtigung der Geschichte des Historischen Vereins für Mittelbaden, dessen Mitglied er auch seit Jahrzehnten ist. Unter den zahlreichen Veröffentlichungen – nahezu 50 an der Zahl – zur lokalen und regionalen Sozial- und Kulturgeschichte ist besonders seine aus historischem, politischem und pädagogischem Verantwortungsbewusstsein entstandene Beschäftigung mit der Geschichte der Juden in seinem Heimatort Rust hervorzuheben. 1988 schrieb er für das vom Historischen Verein Ettenheim herausgegebene Buch „Schicksal und Geschichte der jüdischen Gemeinden Ettenheim, Altdorf, Kippenheim Schmieheim und Rust“ das Kapitel „Geschichte der jüdischen Gemeinde Rust“. Karl-Heinz Debacher war auch die treibende Kraft für die 1999 errichtete Gedenkstätte der ehemaligen Synagoge, die an die ausgelöschte jüdische Gemeinde erinnert.
In seinen Veröffentlichungen befasst er sich auch mit dem dörflichen Leben, dem Handwerk, dem Feuerlöschwesen sowie dem Tabak- und Hanfanbau der Landgemeinde Rust.
Mit alemannischen Geschichten und Gedichten, die 2011 herauskamen, dokumentiert er Sprachliches und Soziokulturelles aus dem Dorf Rust und fügt als Übersetzungshilfe ein sprachgeschichtlich wertvolles Wörterverzeichnis an. Beim Mundart-Wettbewerb der Muettersproch-Gsellschaft, der Badischen Zeitung und des Südwestrundfunks im Jahre 2010 wurde er mit dem 1. Preis ausgezeichnet.
Sein Interesse gilt selbstverständlich auch den Schulen und Schulhäusern. Dazu gehören Veröffentlichungen über den Ruster Kindergarten und die Volksschulen in Rust und anderen Orten in der Region.
Eine besondere literarische und pädagogische Kostbarkeit ist sein Kinderbuch „Anatol, das kleine Wildschwein“. Hier gelang es ihm, das auch an vielen Schulen bestehende Problem des Anderssein und der Ausgrenzung von Kindern zu thematisieren. Das reizvolle ins Französische übersetzte Buch wurde von den Gemeinden Rust und Marlenheim/Frankreich zum 25jährigen Bestehen der Partnerschaft herausgegeben. Somit trägt der bodenständige und in seiner Heimatgemeinde tief verwurzelte Schulmann über den Rhein hinweg auch zur Völkerverständigung bei.
Für Erich Birkle vom Arbeitskreis Alemannische Heimat war das vielseitige, umfassende und langjährige ehrenamtliche Engagement von Karl-Heinz Debacher ein mehr als überzeugender Grund für die Überreichung der .
Dass dies auch in der Gemeinde Rust so gesehen und anerkannt wird, zeigte sich auch in Breitnau, wo mehrere Gemeindemitglieder an ihrer Spitze der neue Bürgermeister Kai-Achim Klare und sein Vorgänger, Bürgermeister a.D. Günter Gorecky, an der Feier teilnahmen.
Die Feierstunde in Breitnau, dem Wohnort einer der vom Arbeitskreis geehrten Damen, wurde von der Trachtenkapelle und mit Darbietungen der Kindertanzgruppe des Trachtenvereins kurzweilig umrahmt.

Bernhard Uttenweiler

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